Warum du dich nicht entscheiden kannst und wie du Klarheit für deinen nächsten Lebensschritt findest
Denkst du auch schon seit Monaten oder Jahren über dieselbe(n) Frage nach? Vielleicht über:
Soll ich beruflich etwas verändern?
Soll ich in meinem aktuellen Job bleiben?
Will ich mein Leben so weiterleben wie bisher?
Will ich überhaupt noch diesen Weg weitergehen?
Was will ich eigentlich wirklich?
Machst du Pro- und Kontra-Listen, um dir wirklich sicher zu sein? Aber je mehr du nachdenkst, desto unklarer scheint alles zu werden und du findest keine Antwort auf deine Frage? Vielleicht denkst du dann „Es läuft doch gut, ich darf mich nicht beschweren…“. Und zack bist du wieder in der Grübelspirale, weil zwar objektiv alles „gut“ ist, du dich aber trotzdem nicht gut fühlst. Meistens führt viel Nachdenken nicht immer zu einer Entscheidung. Warum? Weil wir dabei versuchen, absolute Sicherheit zu bekommen. Wir analysieren immer weiter, um die perfekte Antwort zu finden. Doch wichtige Lebensentscheidungen lassen sich selten allein im Kopf lösen. Klarheit entsteht oft nicht durch noch mehr Grübeln, sondern durch Selbstreflexion, Erfahrungen und den Mut, erste kleine Schritte zu gehen.
Oft glauben wir, dass wir vor einer Entscheidung stehen. In Wirklichkeit stehen wir aber häufig vor etwas ganz anderem: einer Neuorientierung. Vielleicht geht es gar nicht darum, ob du Job A oder Job B wählen sollst. Vielleicht spürst du vielmehr, dass dein bisheriges Leben nicht mehr ganz zu der Person passt, die du heute bist. Genau deshalb fühlt sich die Entscheidung so schwer an.
Warum wir Entscheidungen so schwer finden
Viele meiner KlientInnen kommen ins Coaching mit dem Wunsch, endlich eine Entscheidung zu treffen. Doch oft stellen wir fest: Eigentlich wissen sie längst, was sie nicht mehr wollen. Schwer fällt ihnen nicht die Entscheidung selbst. Schwer fällt ihnen, dem eigenen Gefühl zu vertrauen.
Der Hauptgrund, warum wir Entscheidungen aufschieben, ist meistens, weil wir Angst haben, uns falsch zu entscheiden, dass, wenn wir eine vermeintlich „falsche“ Entscheidung treffen, wir diese dann bereuen könnten. Da schon mal vorweg: Es gibt keine richtigen oder falschen Entscheidungen, wir können Entscheidungen nicht auf Vorrat treffen; das heißt, wenn wir uns in diesem Moment entscheiden, tun wir das nach bestem Wissen und Gewissen, so wie wir es in diesem Moment für richtig erachten. Außerdem denken wir oft, es müsse die eine richtige Antwort geben und wenn wir nur lange genug nachdenken, wird sie uns schon irgendwann einfallen. Dahinter steckt auch nicht selten Perfektionismus und je länger wir versuchen, die perfekte Antwort zu finden, desto größer wird oft die Unsicherheit.
Was uns bei Entscheidungen wirklich Angst macht
Doch hinter dieser Unsicherheit stecken meist ganz konkrete Ängste, die uns davon abhalten, eine Entscheidung zu treffen und ins Handeln zu kommen. Die größten Ängste in Bezug auf Entscheidungen sind:
Angst vor einer Fehlentscheidung:
Was, wenn ich mich falsch entscheide?
Angst vor Veränderung
Was, wenn ich etwas verliere?
Angst vor Enttäuschung
Was, wenn es am Ende doch nicht besser wird?
Angst vor den Reaktionen anderer
Was werden andere denken?
Der größte Irrtum: Klarheit entsteht durch Nachdenken
Die meisten Menschen versuchen, Klarheit im Kopf zu finden. Sie analysieren eine Situation oder ein Problem endlos, erstellen Listen, vergleichen Möglichkeiten und überlegen sich immer wieder verschiedene Szenarien. Sie befinden sich in einer Grübelspirale, die sie im Kreis drehen lässt. Denken ist gut, hilft aber bei herausfordernden Fragen oft allein nicht weiter. Hilfreicher ist es hier, über die Dinge zu reflektieren, das bedeutet, sich konstruktive Fragen zu stellen, eine Situation bewusst und systematisch zu betrachten und sich nicht wie beim Grübeln in „hätte und wäre“ sowie in Selbstvorwürfen zu verlieren. Darüber hinaus ist Grübeln und Nachdenken etwas, was man mit sich ausmacht, man hat kein Gegenüber. Wenn man nun aber mit jemandem spricht und gemeinsam reflektiert, bekommt man oft neue Einblicke und Impulse in Situationen, besonders, wenn das Gegenüber gute Fragen stellt.
Was Klarheit wirklich fördert
Den Großteil der wichtigen Entscheidungen im Leben treffen wir ohne vollständige Sicherheit. Oft zeigt sich erst im „Gehen“, ob ein Weg der richtige ist. Klarheit entsteht häufig nicht vor der Entscheidung, sondern durch die Entscheidung. Deswegen müssen wir losgehen und Erfahrungen machen und die Gefühle, die dann aufkommen, ernst nehmen. Das Gleiche gilt für die Bedürfnisse, nämlich, diese zu erkennen und entsprechend zu handeln. Beim Losgehen geht es vielmehr um kleine Schritte, als um große Lebensentscheidungen.
Drei Fragen für mehr Klarheit
Bevor du die nächste große Entscheidung triffst, such nicht nach der perfekten Antwort. Stelle dir stattdessen folgende Fragen:
Was gibt mir Energie? → Welche Situationen lassen dich lebendig fühlen?
Was möchte ich nicht mehr? → Oft wissen wir schneller, was wir hinter uns lassen möchten, als wohin wir genau wollen.
Wie möchte ich mich in meinem Alltag fühlen? → Nicht nur das Ziel zählt, sondern auch der Weg dorthin.
Versuche, von der Frage: „Was ist die richtige Entscheidung?“ wegzukommen und dich zu „Was fühlt sich aktuell stimmiger an?“ hinzubewegen. Oder anders ausgedrückt: „Mit welcher Option fühle ich mich wohler?“
Auch ich kenne diese Phase des Suchens. Viele Jahre habe ich in einem internationalen Unternehmen gearbeitet. Nach außen betrachtet war alles in Ordnung. Trotzdem wurde die Frage immer lauter, ob dieser Weg noch wirklich zu mir passt. Die Antwort kam nicht über Nacht, sie hat sich mit der Zeit gezeigt.
Du musst nicht alles wissen. Der nächste Schritt reicht.